Bundesverband warnt vor KI-Rückstand

Ein Jahr nach Verabschiedung der deutschen Digitalstrategie fällt die Zwischenbilanz unterschiedlich aus: Die Politik ist zufrieden, die Wirtschaft und der Digitalverband Bitkom zeigen sich eher besorgt.

500 Millionen Euro will Deutschland im Rahmen der Digitalstrategie in die Förderung von künstlicher Intelligenz investieren. Das klingt zunächst einmal nach einem Batzen Geld – im Vergleich zu den USA sind das allerdings nur Peanuts. Denn in Amerika spricht man über 100 Milliarden Dollar  Investment und bewegt sich damit in ganz anderen Sphären. „Wenn wir so weitermachen, sehen wir von den schnellen Vorreiterländern der KI bald nicht mal mehr die Rücklichter“, so Bitkom-Chef Bernhard Rohleder. Bisher sei er von der Umsetzung der Strategie enttäuscht und die bescheidenen Mittel von 500 Millionen Euro hätten seiner Ansicht nach bislang keinerlei Wirkung erzielt. Ist die deutsche Digitalstrategie möglicherweise nicht groß genug gedacht?

 

DIE POLITIK SIEHT FORTSCHRITTE

Geht es nach den amtierenden Ministern Peter Altmaier, Hubertus Heil und Anja Karliczeck habe der neue strategische Ansatz bereits erste sichtbare Erfolge verbucht. Karliczek verwies beispielsweise auf die Altmaier-Initiative zur europäischen Daten-Cloud Gaia-X. Damit könnten in Zukunft nötige Daten zur KI-Entwicklung gebündelt werden.

 

DIE STRATEGIE BLEIBT UMSTRITTEN

Bitkom-Chef Rohleder kritisiert die aktuelle Regierung aufs Schärfste und wirft ihr in erster Linie vor, nicht einheitlich zu sein. Hinzu kommt, dass bestimmte Maßnahmen den Zugang zu Daten erschweren. An dieser Stelle fragen sich Experten nicht zu unrecht, wie sinnvoll es ist, viel Geld in die KI-Förderung zu investieren,  wenn man der Technologie gleichzeitig die essenziell wichtige Datengrundlage entzieht.

 

BISHER KEINE KI-PROFESSUREN AUSGESCHRIEBEN

Ein weiterer Streitpunkt sind die in der verabschiedeten Strategie angekündigten KI-Professuren, von denen bislang noch nicht zu sehen gewesen ist. Karliczek verteidigte sich und wies darauf hin, dass so etwas keine Nacht- und Nebelaktion sei, sondern aufgrund der nötigen Ausschreibungsverfahren etwas mehr Zeit in Anspruch nehme. Immerhin werde inzwischen angeblich über zwei KI-Professuren verhandelt, heißt es. Zugleich soll die Förderung der bereits bestehenden deutschen KI-Zentren in Berlin, München, Dortmund, Dresden / Leipzig und Tübingen bis 2022 verdoppelt werden.

 

FINANZIERUNG VON START-UPS

Ein weiterer großer Kritikpunkt, der Experten immer wieder ins Auge sticht, sind die schlechten Bedingungen für die Bereitstellung von Wagniskapital. Bislang werden Start-ups, insbesondere im KI-Bereich, zu wenige finanziell unterstützt, so KI-Wissenschaftler Volker Markt von der TU Berlin und Tina Klüwer vom Bundesverband für Künstliche Intelligenz. Neben der Kapitalbereitstellung müsse in Deutschland auch die Nutzung von Big Data stärker gefördert werden. Bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen in nächster Zeit weiterentwickeln und welche Maßnahmen daraufhin erfolgen werden.

 

Foto: Franck V. auf Unsplash

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